Vorbereitung und Umsetzung kurzfristiger Maßnahmen für 2027.
Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:
Der Magistrat wird beauftragt, die notwendigen Vorarbeiten für einen Hitzeschutzplan bereits jetzt einzuleiten, sodass die voraussichtlich im Herbst/Winter zu besetzende Stelle für Klimaanpassungsmanagement unmittelbar darauf aufbauen kann. Bis zur Einarbeitung der neuen Fachkraft sollen insbesondere Bestandserfassungen und Prüfaufträge angestoßen werden. So kann Friedberg rechtzeitig vor der Hitzeperiode 2027 handlungsfähig sein.
Parallel dazu wird der Magistrat beauftragt, folgende wirtschaftlich und organisatorisch schnell umsetzbare Maßnahmen zu prüfen und bedarfsgerecht umzusetzen:
- Bewertung städtischer Gebäude wie Stadthalle, Stadtbibliothek oder Wetterau-Museum hinsichtlich ihrer Kühlkapazitäten und logistischen Eignung als kühle Aufenthaltsorte bei extremen Hitzephasen.
- Engmaschige Abstimmung mit den zuständigen Fachbereichen des Wetteraukreises, insbesondere Gesundheit, Gefahrenabwehr und Infektionsschutz, sowie Einbindung lokaler Akteure wie Kirchen, Vereine und freie Träger.
- Prüfung datenschutzkonformer Möglichkeiten zur direkten Erreichbarkeit besonders hitzegefährdeter Menschen, beispielsweise alleinlebender älterer Menschen oder anderer besonders gefährdeter Personengruppen, ohne bestehende Pflege- oder Gesundheitseinrichtungen zusätzlich zu belasten. Hierzu können beispielsweise Informationsangebote an Alltagsorten wie Apotheken, Bäckereien und Supermärkten geprüft werden.
- Zügige Vorbereitung zusätzlicher öffentlich zugänglicher Trinkwasserangebote an stark frequentierten Orten.
- Prüfung der Verlegung ganztägig besonnter Sitzbänke in vorhandene Schattenzonen sowie des Einsatzes flexibler und kostengünstiger Lösungen, beispielsweise temporärer Sonnensegel, an stark versiegelten und hitzebelasteten Orten wie dem Elvis-Presley-Platz.
- Entwicklung und Bereitstellung leicht verständlicher, zielgruppengerechter Informationen bei Hitzewarnungen. Diese sollen, mehrsprachig, konkrete Handlungsempfehlungen für den Alltag enthalten, insbesondere zum regelmäßigen und ausreichenden Trinken, zum Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt, zum Verhalten bei starker Hitze sowie zum Schutz besonders gefährdeter Personengruppen. Die Informationen sollen über verschiedene, leicht erreichbare Informationswege verbreitet werden und die Bevölkerung rechtzeitig vor und während Hitzeperioden erreichen.
Bei den kurzfristigen Maßnahmen sollen zunächst besonders hitzebelastete Bereiche berücksichtigt werden.
Kernstadt: insbesondere Elvis-Presley-Platz, Seewiese, Mainzer-Tor-Anlage, Europaplatz und das Umfeld der THM. Stadtteile: Ortsmitten, sowie Spiel- und Aufenthaltsbereiche und Umfelder öffentlicher Einrichtungen in den Stadtteilen.
Bei allen zukünftigen Bau-, Sanierungs- und Stadtentwicklungsmaßnahmen – insbesondere der Neugestaltung der Kaiserstraße, der Weiterentwicklung der Seewiese und dem Bau von Wohnraum – sind Hitzeschutz- und Verschattungsstandards von Beginn an verbindlich zu verankern, um teure Nachrüstungen zu vermeiden. Bauliche Hitzeschutzmaßnahmen sind vorhabenbezogen hinsichtlich Kühlwirkung sowie Investitions- und Folgekosten zu bewerten.
Zur Entlastung des städtischen Haushalts sind aktiv Förderprogramme der EU, von Bund und Land Hessen zu prüfen und abzurufen. Unnötige Mehrbelastungen werden vermieden, indem vorrangig vorhandene städtische Ressourcen genutzt und externe Förderquoten ausgeschöpft werden.
Begründung:
Die Rückmeldungen aus der Praxis – unter anderem aus dem städtischen Klimaschutzmanagement – verdeutlichen die Dringlichkeit: Während der Klimaschutz primär die Reduktion von Treibhausgasen verfolgt, ist der Hitzeschutz eine operative Kernaufgabe der Klimaanpassung und Daseinsvorsorge.
Die Schaffung einer Stelle für Klimaanpassungsmanagement im Amt für Stadtentwicklung ist ein wichtiger Schritt. Ein bloßes Abwarten bis zur Einarbeitung der neuen Fachkraft birgt jedoch das Risiko, dass Friedberg im Sommer 2027 erneut unzureichend vorbereitet ist. Die Notwendigkeit eines wirksamen Hitzeschutzes zeigt sich auch an den gesundheitlichen Folgen: In Deutschland werden jährlich Tausende hitzebedingte Todesfälle verzeichnet.
Umso wichtiger ist es, die organisatorischen und fachlichen Vorarbeiten bereits jetzt einzuleiten. So kann die neue Fachkraft nach ihrer Einstellung unmittelbar auf vorhandenen Daten, Bestandsaufnahmen und vorbereiteten Prüfaufträgen aufbauen und die notwendigen Maßnahmen für den Hitzeschutz in Friedberg zügig weiterentwickeln.
Auch wenn Hitzeschutz rechtlich derzeit noch als freiwillige Aufgabe eingestuft wird, gehört der präventive Schutz der Bevölkerung vor extremen Wetterereignissen zur kommunalen Daseinsvorsorge. Der Antrag setzt vorrangig auf kostenneutrale oder -arme Sofortmaßnahmen sowie die Nutzung bestehender Krisenstrukturen des Wetteraukreises.
Die rechtzeitige Einbindung von Hitzeschutzstandards bei anstehenden Großprojekten (wie der Neugestaltung der Kaiserstraße oder der Seewiese) spart künftige teure Umbaumaßnahmen. Der Antrag schafft somit die notwendige Grundlage, um den Gesundheitsschutz der Friedberger Bevölkerung vorausschauend zu gestalten.