Rechenzentrum: Bringt Geld aber auch Probleme

Stadtverordnetenversammlung am 30. Januar 2026

Es wird über den Verkauf eine Fläche von 2,8 Hektar in der Ortsrandlage von Rendel abgestimmt. Das Gelände heißt „Schultheisenwiese“ und es ist eine ehemalige Gärtnerei. Gleich nebenan befindet sich ein Umspannwerk der OVAG.
Dort soll ein Rechenzentrum gebaut werden. Schaut man auf die Erlöse, die andere Gemeinden im Rhein-Main-Gebiet für Rechenzentren erzielten, so wird locker ein zweistelliger Millionenbetrag erlöst werden. Magistrat und CDU beschreiben diesen Verkauf in rosa Farben. Und angesichts der zu erwartenden Verkaufssumme kann man in Zeiten knapper kommunaler Kassen schon mal euphorisch werden.
Die Linke hat sich dennoch enthalten. Warum, lesen Sie hier:

„Ein paar Worte will ich auch zur Ansiedlung des Rechenzentrums verlieren:
Dieses Großprojekt ist etwas anderes, als die Ansiedlung von kleinem und mittelständischem Gewerbe. Oder auch des Kaufs des Conti-Geländes.

Klar werden mit dem Verkauf des Grundstücks finanzielle Möglichkeiten eröffnet, die sich Karben sonst nicht leisten könnte. Aber danach ist es vorbei: keine Arbeitsplätze, keine Gewerbesteuer und bei der Randlage (1,5 Kilometer von Rendel entfernt) ist die Nutzung der Abwärme zumindest ein größeres Problem.

Es gibt auch noch andere problematische Aspekte, die man abwägen muss. So schön, wie es hier diskutiert wird, ist es nicht. In Ihrer Pressemeldung zum Rechenzentrum stand:
„Entscheidend für den Standort waren die Vornutzung der Fläche durch den ehemaligen Gärtnereibetrieb mit teilweise bereits versiegelten Flächen, die unmittelbare Nähe zum Umspannwerk, die Verfügbarkeit der Fläche, die Tatsache, dass keine Anwohner vom Rechenzentrum gestört werden…“

Also zuerst mal wird das Rechenzentrum nicht auf der versiegelten Fläche der alten Gärtnerei entstehen, sondern daneben auf einer unversiegelten Fläche.

Und 2.: Das Umspannwerk ist zwar ein gewichtiger Grund für den Standort. Aber ist er ein hinreichender?
Das Regierungspräsidium Darmstadt sieht die Standortabwägung, die Sie vorgenommen haben kritisch: Grundsätzlich seien „gewerbliche Flächen die geeigneteren Flächen für ein solches Vorhaben, weil dann die Abwärme ganz anders genutzt werden kann, als in der Randlage in Rendel.“

Zur Alternativprüfung, die sie vorgenommen haben, sagt das Regierungspräsidium: Die Entscheidung für Rendel enthalte wenig Fakten und viele Annahmen.
Das Regierungspräsidium präferiert seinerseits einen Standort am Warthweg, den auch Sie selbst bei der Alternativabwägung als geeignet betrachtet haben.
Ich habe den Rendeler Standort schon mehrmals kritisiert, denn dort kann die Abwärme des Rechenzentrums nicht genutzt werden. Ich denke, es wären andere Standorte sinnvoller. Beim Warthweg entsteht ein neues Gewerbegebiet und man kann die Abwärme gleich mit einplanen. Oder in Randlage des Gewerbegebiets (Dieselstraße). Auch dort wäre eine Abwärmenutzung eher möglich.
Ihre Alternativprüfung macht jedenfalls nicht den Eindruck, als wären ernsthaft Alternativen geprüft worden.

Und 3. ist eine Beeinträchtigung der Anwohner eigentlich bei jedem Rechenzentrum mehr oder weniger der Fall. Es gibt schließlich Gründe, warum Frankfurt auf seinem Stadtgebiet keine Rechenzentren mehr bauen lassen will.

Es wir natürlich Lärmbelästigungen geben. Schon das Umspannwerk ist bis Rendel und Ober-Dorfelden zu hören. Was passiert, wenn es jetzt auch noch für mehrere Rechenzentren – nicht nur für Karben sondern auch für Bad Vilbel – deutlich erweitert wird?
Und dann kommt der Lärm des Rechenzentrums noch zusätzlich hinzu.
Das Lärmgutachten sagt, dass für das gesamte Plangebiet der Lärmpegelbereich IV vorliegt und für die nördlich Grenze des Plangebiets sogar V.

Das sind Werte bei sehr hohem Lärmaufkommen und das erfordert spezielle Maßnahmen für den Schallschutz. Ob und wie der vorgenommen wird, ist mir zumindest unklar geblieben. Es wurde nicht nachvollziehbar erläutert.

Natürlich kann man sich trotzdem für diesen lukrativen Deal entscheiden.
Aber man kann Bedenken nicht einfach wegwischen. Ausgeräumt wurden sie jedenfalls nicht.

Selbst wenn ich den monetären Reiz des Projekts sehr gut nachvollziehen kann: Ich werde nicht zustimmen. Ich werde mich enthalten, das ist das maximale Entgegenkommen.“