Der Rosa-Luxemburg-Club Wetterau, die Wetterauer Aktion Frieden und die Nachdenkseiten Rhein-Main hatten eingeladen.
Alle Stühle im Saal der Friedberger Stadthalle waren besetzt, als am 9. April 2026 der Vier-Sterne-General a. D. und ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, sprach. Gut 350 Menschen hörten gespannt die Ausführungen zu aktuellen Kriegen und zu möglichen Wegen zum Frieden.
Kujat legte die vergebene Chance für Frieden in der Ukraine dar: Russland hatte einem Vertrag zugestimmt, der auf den Minsk 2-Vereinbarungen beruhte. Die Ukraine brach die Verhandlungen ab, nachdem der britische Ex-Premier Johnson die Ukraine zum Weiterkämpfen aufforderte und westliche Unterstützung zusagte. Kujat zeigte auf, dass Russland nach wie vor zu Verhandlungen bereit ist, die auch eine europäische Friedensordnung beinhalten. Doch Deutschland und EU-Politiker sprechen Russland diese Bereitschaft ab, denn sie selbst sind zu keinen konstruktiven Vorschlägen bereit. In der Ukraine ist Russland militärisch klar im Vorteil. Die Ukraine wird militärisch nicht gewinnen. Verhandlungen liegen deswegen im Interesse beider Seiten. Man sollte bedenken: Nach Kriegen bestimmt der Sieger was geschieht. Ohne die Anerkennung der Gebietsgewinne Russlands wird der Krieg weitergehen. Zulasten der Ukraine.
Zum Angriffskrieg gegen den Iran sagte Kujat: Die Welt steht vor der schwierigsten und explosivsten Lage seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Angriffskrieg der USA und Israels ist eindeutig ein Verstoß gegen das Völkerrecht. Die USA sind in den Krieg eingestiegen, um Stärke zu demonstrieren – doch es gibt weder klare Kriegsziele noch eine Exit-Strategie. Die Trump-Regierung setzte auf Überraschung und Destabilisierung und erhoffte einen Regimewechsel. Das ist nicht gelungen. Der Widerstand Irans und seine Folgen auf die Weltwirtschaft sind sträflich unterschätzt worden. Schlimmer: Der ermordete Ayatollah Khamenei war grundsätzlich gegen Atomwaffen und erließ eine entsprechende Fatwa. Nun ist er tot. Und seine Nachfolger könnten leicht auf die Idee kommen, dass sie mit Atomwaffen nicht angegriffen worden wären. Es ist absehbar, dass dieser Angriffskrieg auch anderen Ländern signalisiert, dass es „sicherer“ wäre, sich atomar zu bewaffnen.
Viele europäische Politiker – wie auch Kanzler Merz – haben sich ins Abseits manövriert. Europa hat kein eigenes Konzept für eine europäische Sicherheitspolitik und ist weltpolitisch unbedeutend geworden. Die BRICS-Staaten und deren Unterstützer sind eine neue Weltmacht.
Hier helfen keine Moralinszenierungen à la „Wir sind die Guten“. Staaten handeln nach ihren Interessen, und ohne einen Interessenausgleich gibt es keinen Frieden. Bei den Europäern steht leider das Wunschdenken im Vordergrund und keine realistische Politik.
Kujat analysierte die Gefahrenlage, die durch die aktuellen Kriege für die Weltgemeinschaft entstanden ist. Die Politik des Westens eskaliert und ist keineswegs auf eine friedliche Lösung der Konflikte ausgerichtet. Wie eine friedensorientierte Politik aussehen könnte, wurde im Vortrag und der anschließenden Diskussion angesprochen. Einige Teilnehmer:innen der Veranstaltung betonten unter Applaus, dass sie der allgemein herrschenden Kriegspropaganda ziemlich überdrüssig sind. Der sachliche und analytische Vortrag des Generals setzte hierzu einen starken Kontrapunkt und erhielt zuletzt lang anhaltenden Beifall.
Die Rede Kujats wurde von den Nachdenkseiten live gestreamt und 5000 Menschen haben sie an den Bildschirmen verfolgt.



