Sehr geehrter Herr Fischer,
die folgende Anfrage betreffend der Kita-Betreuungszeiten bitten wir, schriftlich zu beantworten:
Rückschritte bei den Kita-Betreuungszeiten
Zum 1. August 2026 wurde die Öffnungszeit der Kita Zauberberg in Groß-Karben von 17 Uhr auf 16 Uhr verkürzt – mit der Begründung mangelnder Nachfrage. Auch in der heutigen Kita Farbenfroh in Petterweil wurde die noch 2022 angebotene Betreuung bis 17 Uhr inzwischen auf 16 Uhr gekürzt.
Alleinerziehende und Familien, in denen beide Eltern vollzeitnah arbeiten, sind heute weit verbreitet. Bei einer Betreuungszeit von 7 bis 16 Uhr ist es jedoch beispielsweise nicht möglich, einer vollzeitnahen Beschäftigung in Frankfurt nachzugehen, Pendel- und Pausenzeiten eingerechnet. Es bedeutet lebenspraktisch, vor 15 Uhr Feierabend machen zu müssen. Nur wenn Eltern zeitversetzt arbeiten können oder etwa Großeltern in der Nähe leben, kann das in den Familien aufgefangen werden. Das sind aber Privilegien, die nicht vorausgesetzt werden können. Und es bedeutet Druck auf die Familien, der am Ende immer noch häufig bei den Müttern hängen bleibt.
Dabei stellt sich die Frage, inwieweit die geringe Nachfrage durch die Ausgestaltung des Angebots in Karben selbst befördert wurde. Die Stunde von 16 bis 17 Uhr ist mit Abstand die teuerste des Tages. Zugleich berichten Eltern, die diese Betreuungszeit nutzen oder genutzt haben, von einer wenig attraktiven Ausgestaltung der Randzeit – etwa von regelmäßig in dieser Zeit stattfindenden Teamrunden, Vorbereitungs- und Reinigungsarbeiten – und davon, das Gefühl gehabt zu haben, sich in der Einrichtung für eine häufigere Nutzung der späten Betreuungszeit rechtfertigen zu müssen.
Nicht zuletzt ist es ein sich selbst verstärkender Effekt: Wenn in der letzten Stunde häufig kaum noch andere Kinder da sind, vermeiden Eltern es nach Möglichkeit, ihr Kind so lange in der Einrichtung zu lassen.
Wir fragen den Magistrat:
- Welche städtischen Kindertagesstätten haben in den vergangenen zehn Jahren ihre täglichen Öffnungszeiten verkürzt oder verlängert? Bitte jeweils Einrichtung, Zeitpunkt, vorherige und neue Öffnungszeit sowie die Gründe für die Veränderung angeben.
- In welchen Karbener Kindertagesstätten wird aktuell eine Betreuung bis 17 Uhr angeboten, und wie viele Kinder nehmen diese jeweils in Anspruch?
- Wie viele Kinder sind konkret von der Verkürzung der Öffnungszeit der Kita Zauberberg betroffen, waren also zuletzt noch für das Spätmodul von 16 bis 17 Uhr angemeldet?
- Wurden die Eltern der Kita Zauberberg vor der Entscheidung über die Verkürzung der Öffnungszeit systematisch zu ihrem gegenwärtigen und zukünftigen Betreuungsbedarf befragt? Falls ja: Wann, in welcher Form und mit welchem Ergebnis? Falls nein: Auf welcher Datengrundlage wurde die Entscheidung getroffen?
- Anhand welcher Kriterien und Kennzahlen stellt die Stadt eine „mangelnde Nachfrage“ nach einer bestimmten Betreuungszeit fest?
- Welche Möglichkeiten hatten neu angemeldete Eltern in den vergangenen Jahren, bei der Platzvergabe einen Betreuungsbedarf bis 17 Uhr anzugeben, und wurden sie aktiv über ein solches Angebot informiert?
- Wie wird ein wieder steigender Bedarf nach einer Betreuung bis 17 Uhr erfasst? Ab welchem Bedarf wird die Wiedereinführung des Spätmoduls in einer Einrichtung geprüft?
- Wie bewertet der Magistrat den Einfluss der Beitragsgestaltung, insbesondere des hohen Preises für die Randzeit von 16 bis 17 Uhr, auf die Nachfrage?
- Die letzte Gebührenerhöhung für diese Randstunde wurde öffentlich damit begründet, dass die Betreuungskosten pro Kind hier besonders hoch seien, da auch bei wenigen Kindern stets zwei Fachkräfte anwesend sein müssten. Inwieweit wurde erwogen, stattdessen die Randstunde bis 17 Uhr attraktiver auszugestalten, um die Nachfrage und damit die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen?
- Wie wird sichergestellt, dass auch in der Randbetreuungszeit von 16 bis 17 Uhr ein reguläres pädagogisches Angebot gewährleistet ist? Finden oder fanden in Einrichtungen mit Spätbetreuung in dieser Zeit planmäßig Teamsitzungen, Vorbereitungs- oder Reinigungsarbeiten statt? Wenn ja, in welchen?
- An der Lilienwaldschule in Petterweil wurde die Frühbetreuung zum neuen Schuljahr von 7:00 Uhr auf 7:30 Uhr verkürzt. Für Familien mit mehreren Kindern verengt sich damit das gemeinsame Betreuungszeitfenster zusätzlich. Wie werden die Betreuungszeiten von Kitas und Grundschulbetreuungen miteinander abgestimmt?
- Welche gesamtstädtische Strategie verfolgt der Magistrat bei der Randzeitenbetreuung? Wird weiterhin das bereits 2024 öffentlich erklärte Ziel verfolgt, die Betreuung in den Randzeiten auf wenige Kindertagesstätten zu konzentrieren? Falls ja: Nach welchen Kriterien werden die Einrichtungen ausgewählt?
- Betrachtet der Magistrat eine Betreuungsmöglichkeit bis 17 Uhr als Bestandteil der kommunalen Grundversorgung? Falls nein: Welche tägliche Betreuungsdauer hält er für eine Stadt wie Karben für bedarfsgerecht?
- Welche Maßnahmen ergreift die Stadt, um wenigstens in jedem Ortsteil wieder eine Kinderbetreuung bis 17 Uhr anbieten zu können?