Herr Kreistagsvorsitzender, meine Damen und Herren,
Zwischen Juli 1944 und März 1945 wurde der Eisenbahnknotenpunkt Friedberg 28 mal aus der Luft bombardiert. Der Angriff vom 4. Dezember 1944 forderte allein in Fauerbach 89 Todesopfer und 47 Verwundete. Fast alle 180 Häuser wurden in Fauerbach beschädigt oder zerstört. Allein am 25. März 1945 wurden 800 Sprengbomben auf unsere Kreisstadt abgeworfen. Insgesamt kamen 220 Friedbergerinnen und Friedberger durch den Luftkrieg ums Leben.1
Meine Damen und Herren, das war damals. Angriffsziel waren der Eisenbahnknotenpunkt und der Güterverkehr. Diese Ziele gibt es immer noch, jetzt haben aber wir mit Köppern noch das zweitgrößte Munitionsdepot Deutschlands vor der Haustür und jetzt soll auch noch der Militärübungsplatz in Ockstadt und die Ray Barracks aktiviert werden.
Was glauben Sie eigentlich, was da im nächsten Krieg passiert?
Da wird es nicht bei 28 Luftangriffen bleiben.
Wenn hier wieder Soldaten aufmarschieren, dann wird Friedberg Angriffsziel. Und wenn Sie das hier befürworten – und in dem Punkt ist die AfD sich ja mit der Koalition einig – wenn Sie das hier befürworten, dann spielen Sie mit der Sicherheit unsere Bürgerinnen und Bürger.
Als demokratisch gewählte Vertreterinnen und Vertreter der Bürger unseres Landkreises müssen wir uns doch mit aller Macht dagegen stellen, anstatt diese Entwicklung auch noch bereitwillig zu unterstützen.
Der Ursprungsantrag der AfD fordert 1:1 das, was sowieso schon passiert.
Dabei ist die Revitalisierung des Kasernengeländes ein Teil der Militarisierung Deutschlands, ein Baustein auf dem Weg zur Wiedereinführung der Wehrpflicht mit dem Ziel, die Bundeswehr zur „stärksten Armee Europas“2 zu machen.
Schon interessant: Im Osten spielt sich die AfD als angebliche Friedenspartei auf, hier redet Sie der NATO-Mitgliedschaft und Kriegstüchtigkeit das Wort!
Wir brauchen das Kasernengelände in ziviler Hand! Wir benötigen die Fläche für den Wohnungsbau, für eine sozial-gerechte Stadtentwicklung. Und wir brauchen v.a. keine Kriegstüchtigkeit.
Denn Kriegstüchtigkeit bedeutet die Zunahme von internationalen Spannungen, die Zunahme von Kriegsgefahr.
Kriegstüchtigkeit bedeutet aber auch Kürzungen im Sozialetat und die Zerstörung unseres Gesundheitssystems, da brauchen Sie sich nur mal anschauen was Ihre Bundesregierung da gerade anrichtet.
Kriegstüchtigkeit bedeutet auch, Kürzungen bei den Kommunen.
Wer das Geld der Waffenindustrie in den Rachen schmeißt, der kann es eben nicht mehr in die öffentliche Daseinsvorsorge stecken. Es ist doch bekannt, dass die Kommunen am Limit sind!
Meine Damen und Herren,
gegen die Revitalisierung des Kasernengeländes sollte der Wetteraukreis mit allen Mitteln rebellieren, über die er verfügt.
Für die Linksfraktion ist klar:
Wir wollen keine Militarisierung unserer Heimat.
Im Geiste des Grundgesetzes und der hessischen Verfassung wollen wir eine friedliche Wetterau in einem friedlichen Deutschland.
1https://www.friedberger-geschichtsverein.de/presse/2025/kriegsende-1945/
²Zitat Friedrich Merz